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Ein Sarg nur und ein Leichenkleid

 

Der Tod: ein Thema, welches fern scheint und erfahrungsgemäß ,die Anderen‘ betrifft. In den Nachrichten erfahren wir von dem Tod tausender Menschen durch Kriege, Naturkatastrophen oder Flugzeugabstürze, in den Zeitungen lesen wir von Morden, Autounfällen oder anderen tragischen Schicksalen. Am Wochenende machen wir es uns auf der Couch  gemütlich, denn es ist Zeit für die Krimis im Öffentlich-Rechtlichen. Wir gehen ins Kino, sehen amerikanische Blockbuster, in denen die Sterbequote ungewiss ist. Überall wird gestorben. Überall ist der Tod gegenwärtig und dennoch scheint er uns nicht zu betreffen. Die Medien wirken geradezu als ein Zerrspiegel „gesellschaftlicher Wirklichkeit(en)“ für den bewussten Umgang mit dem Tod selbst. Selten wird in der medialen Darstellung über das Faktum des Todes hinaus gegangen. Der Weg nach dem Tod ist verschleiert im kollektiven Bewusstsein unserer Gesellschaft, ein blinder Fleck. (Faerber 1995:10)

Wir setzen uns mehr mit dem Fremden als mit dem eigenen Sterben auseinander. Der moderne Umgang mit dem Tod und das Todes(un)bewusstsein in unserem Alltagsdenken und Handeln scheint beinahe morbide zu sein. Die meisten Menschen blenden ihre eigene Sterblichkeit aus, überschätzen die Wahrscheinlichkeit, dass sie alt werden und ein langes Leben vor sich haben und stehen in dieser Weise dem Leben mit Selbsttäuschung und Arroganz gegenüber. Doch was geschieht, wird man mit dem Sterben konfrontiert, mit dem eigenen ganz persönlichen Tod? Denn wenn eines im Leben gewiss ist, dann ist es die Tatsache, dass wir alle eines Tages sterben werden. Neben diesem Alltagsbewusstsein dem Tod gegenüber haben sich auch die Todes- und Trauerrituale der westlichen Hemisphäre stark verändert (Feldmann 2004:16). Neben der Zunahme von Leichenverbrennungen, einer Verkürzung der Zeit zwischen Tod und Begräbnis ist auch ein zunehmendes Desinteresse - eine Ablehnung - zu verzeichnen, den Körper der Toten aufzubahren. Ebenso ist die Bereitschaft gesunken, Trauerkleidung zu tragen oder in anderer Art und Weise öffentlich Trauer zu zeigen. Selbst der Umgang mit Begräbniskosten stellt die Lebenden vor große Herausforderungen, finanziell und emotional. Wie können wir damit umgehen? Wie können wir die paradoxe ,Abwesenheit‘ des Todes in unser gesellschaftliches  Blickfeld rücken und das existenziell fehlende Bewusstsein für eine der größten Gewissheiten der Menschheit überwinden? Wie können wir unserem eigenen Sterben begegnen und uns vergegenwärtigen, welchen Weg wir nach unserem Tod gehen? Denn nach unserem Tod beginnen Prozesse, in die Menschen involviert sind, die unseren Tod begleiten. Es ist ein Ereignis, welches uns zu jeder Zeit erschüttert, trotz der Tatsache, dass der Tod ein allgegenwärtiges Geschehen unseres Lebens ist. Ein Ereignis, welches sich in Institutionen und in kleinen Kreisen unmittelbar Betroffener leise und weitgehend unbemerkt für andere ereignet. Wir müssen die Sprachlosigkeit im Umgang mit dem Tod überwinden. Die Arbeit soll ein Verständnis dafür entwickeln, wie sich der Tod in unserem Leben manifestiert und sie macht einen Teil der Prozesse nach dem Sterben sichtbar. Die Fotografien konfrontieren uns mit Themen, die wir gern aus unserem Alltag verdrängen. Sie zeigen auf, dass der Tod ein Teil unseres Lebens ist. 

Text: Carolin Genz